Wir wünschen gesegnete Ostern – trotz Krise

Allgemein

Liebe Eltern,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Schülerinnen und Schüler,

vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie befinden wir uns in einer ganz besonderen Zeit, die eine große Unsicherheit schafft, weil zu viele Fragen nicht beantwortet werden, auch nicht beantwortet werden können und wir im Prinzip nicht wissen, wie es in den Osterferien und vor allem nach den Osterferien auch schulisch weitergehen soll und wir gleichzeitig ahnen, dass sich unser Leben, auch das  schulische, verändern wird.

Wir hoffen sehr, dass die bisher online bereitgestellten schulischen Angebote intensiv zur Wiederholung und Festigung der bisher im Unterricht erarbeiteten Inhalte genutzt werden konnten, damit der nach den Osterferien folgende Unterricht dort anschließen kann. Am kommenden Freitag, dem 27.03.2020, beginnen die Osterferien unter den Ihnen bekannten Bedingungen des Kontaktverbotes bis zu dessen noch unbestimmter Aufhebung nach Abschwächung der Epidemie.

Die unterrichtsfreie Phase endet, so die bisherige Planung, am 20.04.2020 mit dem Wiederbeginn des Unterrichts. An dieser Stelle verbieten sich Spekulationen wegen der Wahrscheinlichkeit des Wiederbeginns.

Bei all den zukünftigen Entscheidungen, die in Bezug auf den Wiederbeginn der Schule getroffen werden, muss die Gesundheit der uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler wie auch die der Kolleginnen und Kollegen im Vordergrund stehen. Wir werden Wege finden bzw. Wege werden uns hoffentlich geöffnet werden, auf denen wir Ihre Kinder mit großer Zuversicht zum Klassenziel führen können. Auch an dieser Stelle verbietet sich eine weitere Spekulation.

Haben Sie begründet Zutrauen in die sicherlich nicht einfachen Entscheidungen der politisch Verantwortlichen in dieser schwierigen Zeit.

Lassen Sie mich ein paar Gedanken anfügen, die mir den Trost und die Zuversicht für eine gute Zukunft geben:

Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. In Zeiten von Not und Bedrohung, so wie jetzt in der Coronakrise, suchen wir nach Hilfe und Zuspruch, wir suchen nach Sicherheiten wie z.B. der vermeintlichen Sicherheit einer statistischen Wahrscheinlichkeit: „Ich bin jung, Corona kann mir nichts anhaben!“, die leider nur für den Augenblick hilft und im Einzelfall nicht zutreffen muss.

Denn Zweifel bleiben, wir hören auch von jüngeren Opfern, wir hören von der hohen Zahl der Opfer in China, Italien, Spanien und sehen, dass die Epidemie immer näher kommt. Und schon ist diese vermeintliche Sicherheit dahin, die Fragen kommen zurück. So beginnen wir, uns in einer sozialen Isolation einzurichten und hoffen sehr, dass diese Zeit der Zweifel und Fragen schnell vorbeigehen möge.

Doch was machen wir mit der uns nun vermeintlich geschenkten Zeit? Viele Berufstätige arbeiten im Homeoffice und merken schon bald, dass dort die direkten sozialen Kontakte fehlen. Auch uns Lehrkräften fehlt die tägliche Begegnung mit den Schülerinnen und Schülern – ja, wir vermissen die Schule und mehr noch, die Sicherheit gebende Normalität.

Vielleicht merken Sie als Eltern auch, dass es gar nicht so einfach ist, den ganzen Tag Kindern und ihren Wünschen und Hoffnungen zu begegnen. Manche Kinder wünschen sich, wieder in der Schule bei ihren Freunden und manchmal sogar auch bei ihren Lehrkräften zu sein. Ja, das passiert tatsächlich, wenn alle Spiele gespielt, alle Serien geschaut und vielleicht sogar alle Bücher gelesen sind.

Was machen wir, wenn das Wetter so schön ist wie in den letzten Tagen. Können wir sicher rausgehen, können wir sicher unsere Freunde treffen – zwar auf Abstand – aber sollten wir das wirklich tun? Was ist mit unseren älteren Kindern? Können wir sie, können sie uns besuchen? Können wir uns wie immer zur Begrüßung umarmen? Müssen wir nicht auch dann den Abstand einhalten? Und was ist mit den Besuchen bei den Kranken und den Alten? Besonders die letzte Frage ist unendlich schwer zu beantworten, denn jeder Besuch kann eine Gefährdung sein – für die Besuchenden und vor allem auch für die Besuchten.

So ist die Zeit vor Ostern und damit besonders die Zeit in der Karwoche gefüllt mit vielen Fragen und Unsicherheiten, für die es keine allgemeingültige Antwort gibt. Unsere Antworten müssen wir bei denen suchen, die Zeugnisse ihres Glaubens abgelegt haben so wie Dietrich Bonhoeffer, der im Angesicht größter Not schrieb:

»Von guten Mächten treu und still umgeben
behütet und getröstet wunderbar, –
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr;

noch will das alte unsre Herzen quälen
noch drückt uns böser Tage schwere Last,
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das Du uns geschaffen hast.

Und reichst Du uns
den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll’n wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen,
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.«

Bonhoeffer, Dietrich: Widerstand und Ergebung (Dietrich
Bonhoeffer Werke, Bd. 8), Gütersloh 2015
[Erstveröffentlichung 1951], S. 607 f.

Bleiben Sie gesund!

Für das Philipp Melanchthon Gymnasium
Stephan Oelker, Bastian Liebold, Christoph vom Brocke

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